Das Trumpmonster, der Heilige Obama und ein Blocker namens Fefe

Ich dachte ich müsste nicht extra erwähnen, dass ich (aus der Ferne) Trump für einen Unsympathen halte und wenn ich das Glück hätte, zu wählen, ich wohl lieber mit Obama (so wie ich ihn aus den Medien kenne), ein Bier trinken würde. Wenn mich denn einer von den beiden einladen würde…

Hätte ich es mal gesagt, dann wäre ich wahrscheinlich nicht auf Fefes Blacklist! Unverständlich? Dann von Anfang an:

Neulich klickte ich mich mal wieder durchs Internet, landete bei meinem Lieblingsblogger Fefe und sah, dass er Naomi Klein zitierte. Wenn etwas von Naomi Klein kommt, dann lese ich das sofort! Die paar Zeilen waren deutlich und ich dachte dann: Tja, da haben dann also die USA schon damals bei der Erarbeitung des Klimaabkommens also alles so gestaltet, dass sie auch wieder einfach so aus dem Klimaabkommen aussteigen konnten.

Ich kehrte nun wieder zu meiner Arbeit zurück und einen Tag später sah ich, dass er erst einen, dann zwei und dann einen dritten Link zu Trumps aktuellem Klimaabkommensaustritt postete und dann auch noch die Rede Macrons auf Englisch präsentierte. Ich sah die Rede Macrons.

Hier stockte ich. Ich ging auf die Webseite von Fefe zurück. Ich scrollte runter. Ich las den Naomi Klein-Eintrag noch einmal. Ich ging auf den Link und las den Artikel und bei der Hälfte fiel mir auf, dass ich bisher den Namen Obama überhaupt nicht gelesen hatte. „Wait, what???“ würde Fefe da schreiben. Also suchte ich Obama in der Suchfunktion. Resultat: 0.

Warum sollte ich überhaupt Obama suchen? Ganz einfach: Die Obamaadministration ging in das Klimaabkommen und die Trumpadministration geht wieder raus. Die Obamaadministration verhandelt all das, was  die  Trumpadministration später nutzt. Wie sagte Naomi Klein?

„The fact that it is an “agreement” or an “accord” and not a treaty — the very thing that makes it possible for Trump to stage his action-movie slow-mo walk away, world in flames behind him — was lobbied for and won by the United States.“

Und genau die letzten beiden Worte ließen mich seltsam fühlen. Klein wiederholt nämlich im Stakkato: was lobbied for and won by the United States. Irgendein nicht näher genannter Aktant, außer den Vereinigten Staaten, haben dieses Abkommen so beeinflusst, dass der neue Präsident einfach so rausgehen konnte. Warum aber wird ein Präsident beim Namen genannt, der andere aber nicht?

Und dann dachte ich daran, dass Fefe sich letztens auch über Obama beim Evangelischen Kirchentag geäußert hatte und, dass er im selben Zeitraum den Dokumentarfilm National Bird über die Drohnenmorde und negativen Konsequenzen für Whisteblower unter der US-Regierung empfohlen hatte. Irgendwas machte mich dann noch stutziger. Denn eigentlich hatte ich Fefe als den Blogger kennengelernt, der am ehesten über Drohnen, Wahlfälschungen, Meinungsbeeinflussung und ähnliches in den USA schreibt. Völlig unabhängig davon, ob das unter Obama passiert oder unter anderen Präsidenten. Aber plötzlich sehe ich, dass Trump immer die Meldung bestimmt, wo Obama vorher aber nicht erwähnt wird.  Unter Obama waren Drohnenmorde, das Dauerbombardement des Jemens und die Ausweisung von Einwanderern aus den USA kein Thema. Seit Trumps Antritt sie es.

Warum kommt es plötzlich zum Benennen eines bestimmten Übeltäters, während vorher der Mann in derselben Rolle eher nicht erwähnt wird? Das motivierte mich dann zu einer Nachricht an Fefe.

Eigentlich wollte ich nur wissen, ob er diesen meinen Eindruck teilt, dass, um es mal extrem zu formulieren, bei allem Schlechten unter Obama der Präsidenten namentlich nicht erwähnt wird und Trump bei egal was benannt wird.

Wenn es bis jetzt noch nicht klar geworden ist: Das Muster, welches ich da gesehen habe ist: TRUMP tritt aus dem Klimaabkommen  aus. Nicht die USA. Die USA haben es nur verhandelt. Unterschrieben hätte dann OBAMA, wird aber nicht erwähnt. Der Unterschied: TRUMP erscheint als Alleinherrscher, während OBAMA nur ein ganz normales demokratisches Staatsoberhaupt zu sein scheint, das das Opfer einer bestimmten amerikanischen Lobby ist. Die Wahrnehmung Obamas als Präsident mit gutem Willen ist mir persönlich sogar viel sympathischer und ich möchte sie auch glauben. Nur wird Obama so zur gefügig  gemachten Puppe amerikanischer Lobby und Trump zum ABSOLUT selbständigen Akteur. Dabei haben sie beide die gleiche Lobby und die gleichen Strukturen hinter, über unter und vor sich und sie wussten das, als sie ins Amt gekommen sind.  Und ich sehe eben auch, dass die Politik sich nicht gravierend ändert und auch ein Trump ein Oberstes Gericht hat und ein Parlament, dass sich ihm widersetzen kann. Die populistischen Anti-sieben-irrational-ausgewählte-Moslemstaaten Einreisebestimmungen sind heute ebenso nichtig, wie die Russland-Sanktionen immer noch voll da. Eigentlich hat sich nichts geändert, aber in den Medien ist der Teufel los.

(Noch einmal als verdeutlichendes Beispiel, in dem mir diese Struktur aufgefallen ist: Trump wollte die die Wall zu Mexiko von Clinton, Bush und Obama gebauten 700 Meilen auf symbolische 1000 Meilen erweitern. Die 700 real existierenden Kilometer wurden in den Medien praktisch nicht erwähnt. Warum hat niemand Clinton, Bush und Obama dafür attackiert, dass sie die 700 km nicht abgerissen haben?)

Was habe ich also getan, um von Fefe blockiert zu werden?

Prägnant polemisch sprach ich in der Mail an Fefe vom Heiligen Obama und dem Trumpmonster. Der eine habe das Abkommen ausgehandelt, der andere trete eben aus. Gleichzeitg wollte ich nicht, dass Fefe sich auf „Medienkompetenzübung“ rausreden kann, sondern Farbe bekennt: Also schrieb ich darunter: Medienkompetenzübung?-*Gähn*-Bias.

Aber ich hatte eben nicht erwähnt, dass ich Trump unsympathisch finde. Die Reaktion von Fefe hatte es in sich. Ich weiß, dass meine Ausgangsmail leicht falsch verstanden werden konnte. Trotzdem muss ich meiner Überraschung Ausdruck verleihen, dass ein (von mir gern gelesener/gehörter) Polemiker wie Fefe so auf eine Zuspitzung meinerseits reagiert. Ich würde mir wünschen, dass Fefe das hier liest und mir inhaltlich antwortet. Denn angesichts dessen, dass er den Klimazweiflern später ins Stammbuch schrieb, dass Trump seinen Golfplatz mit einem Schutzwall gegen steigendes Wasser ausstatten lässt, gehe ich davon aus, dass er mich für einen Trumpfreund gehalten hat.

Seine Mail war ähnlich zugespitzt wie die meinige, aber es hatte was von „Machdochrüberwennsdirhiernichtpasst“. Ich werde das Ganze jetzt nicht näher ausführen, auch wenn die ganze emotionale Dimension der Antwort erst in der schließenden Allegorie Fefes zum Ausdruck kam. Aus Privatsphäregründen jedoch veröffentliche ich hier wie gesagt nix. Meine Antwort auf seine emotionale Email sollte eine brave und in der Sache weniger polemische als die Ursprüngliche sein und in etwa diesen Text hier beinhalten, den man hier lesen kann. Aber ich war auf der schwarzen Liste gelandet. Meine Mail wurde blockiert. Schade.

 

PS: Meine Verschwörungstheorie ist ja eigentlich die: Die US-amerikanische Politik hatte NIE die Absicht, das Klimaabkommen durchzuführen. Man hat Obama einen PR-Erfolg feiern lassen in der Gewissheit, dass man das nicht verpflichtende Abkommen nicht einhalten würde. Vermutlich hätte es auch Clinton nicht eingehalten. Die Zusammenhänge erklärt Naomi Klein selbst in ihrem neuesten Buch  „Die Entscheidung:  Kapitalismus vs. Klima.

Standard

…und dann kamen Höcke nach Dresden und Trump nach Washington

Seit einer Woche bin ich verloren. Nichts stimmt mehr. Ich habe das Gefühl, ich habe eine Grenze überschritten oder eine Weiterentwicklung verpasst.

Ich verstehe nicht mehr, was ich lese. Ich verstehe nicht mehr, was die Leute sagen. Ich verstehe nichts mehr. Noch vor wenigen Monaten hatte ich das Gefühl, dass ich in der weiten Welt des Internets an bestimmten Orten mit meiner Meinung zu Hause war.

Dann kamen Höcke und Inauguration. Seitdem bin ich irgendwie soweit, dass ich das Internet abschalten möchte, um mich in die Berge zurückzuziehen. Himalaya, Kilimandscharo, Patagonien. Hauptsache weit weg.

Was ist passiert?

Ich habe mir die Reden von Höcke und Trump angehört.

Theoretisch habe ich alles richtig gemacht: Ich  bin selbst an die Quelle gegangen und habe mir ein eigenes Bild verschafft. Das Bild der Reden ist übereinstimmend: Es ist eine Darstellung der jeweiligen Wirklichkeit, wie man sie nicht nur im Internet oft dargestellt finden kann: Korrupte Politiker, die fern von den Bedürfnissen der breiten Bevölkerung auf ihren eigenen Vorteil und auf ihr politisches Überleben fixiert sind. Zerstörte Infrastruktur, die durch die Politik der letzten Jahrzehnte verfallen ist. Verlustig gegangene Arbeitsplätze, die man wieder neu entstehen lassen muss.

98-99% der Reden sind in ihren Analysen nicht angreifbar. Der nationalistische  Unterton ist jeweils der Teil der Rede, der mich Abstand nehmen lässt. Das ist nicht mein Ton. Darauf möchte ich später noch mal zu sprechen kommen.

Zuerst möchte ich fragen, was mit den inhaltlichen Kritikpunkten ist?

Warum also kann ich diese Kritikpunkte nachvollziehen und lese davon in den Medien nichts? Warum lese ich nicht auf den Titelseiten, dass Trump die katastrophale Infrastruktur und viele andere Themen in seiner Inauguration Speech angesprochen hat, deren Problematik sogar schon im sogenannten Mainstream angesprochen worden ist? Warum spricht man von einer Zukunft, die noch gar nicht da ist und spekuliert einfach wild? Warum tut man so, als ob Trumps Administration die alternative Wahrheit erfunden hätte? Wenn doch Tilo Jung wöchentlich alternative Wahrheiten von der Bühne der Bundespressekonferenz ins Netz bringt. Wenn die alternative Wahrheit einfach nur ein anderes Wort für Propaganda ist? Natürlich ist es eine neue Stufe von Unverfrorenheit. Aber was für einen Unterschied macht es noch? Das Ergebnis ist doch das Gleiche. Man  kann nur noch spekulieren.

Nach diesen Spekulationen kommen die küchenpsychologischen Analysen über den Geisteszustand Trumps. Bewundernswert. Gab es diese Analysen auch bezüglich Obamas Geisteszustand? Vermutlich geschehen diese psychologischen Analysen, weil man ja diesen Hitlervergleich zieht. Ich finde ich auch das interessant. Man vergisst oft, dass Hitler kein Einzelkämpfer gewesen war. Sondern ein Mann hinter dem gewichtige  Interessen standen. Und damit meine ich nicht die Illuminaten, sondern Großindustrielle und Banker aus dem In- und Ausland. Genauso stehen ähnlich mächtige Leute hinter Trump. Wie auch hinter Obama. Alle sind sie aus dem System hervorgegangen.

Warum lese ich etwas von Aggressivität? Meint man damit die Begriffe „Tat-Elite“ und „give the power back to the people“? Der Begriff „Tat-Elite“ kommt in der Höcke Rede nicht vor, wenn man danach im Transkript sucht. Besteht irgendein Zweifel, dass die Entscheidungen nicht für den kleinen Mann getroffen werden? Wem scheint es angesichts sich immer verschlechternder Zustände nicht korrekt, dass sich deutlich was ändern muss? Und wie anders als durch Tat soll es geschehen? Und wer keine Tat will, der muss dafür sorgen, dass sich wenigstens IRGENDetwas ändert. Möglichst zum Guten. Man kann nicht erwarten, dass man von der Schließung von Guantanamo spricht, es dann nicht tut und die Leute keine Konsequenzen daraus ziehen. Trump hat nicht dafür gesorgt, dass ich Obama nicht mehr toll finde. Drohnen, Snowden etc.

Was mich aber am meisten beschäftigt ist die Frage, warum wir Gebildeteren nichts lernen. Die Dämonisierung der Höckes und Trumps ändert nichts an den Gründen, warum sie gewählt werden. Denn die Inhalte ihrer Reden sind vermutlich sehr vielen zugänglich. Die Leute wählen Trump und Höcke nicht, weil sie Rassisten wären. Sie wählen sie, weil sie ihre eigene Wahrnehmung in den Worten dieser Politiker widergespiegelt sehen. Wenn wir jetzt diese Politiker kritisieren… dann kritisieren wir in den Augen dieser Leute das Aussprechen dieser Wahrnehmungen. Diese sind doch nur das Resultat der zur Verfügung gestellten Alternativlosigkeit der herrschenden Klasse. Und wenn wir Trump dafür kritisieren, dass er lieber keine Homoehe will, dann sprechen wir nun einmal ein Minderheitenthema an. Aber wir erwähnen nicht den Straßenbau, der einfach viel mehr Leute direkt betrifft, weil sie morgen durch eine Brücke durchbrechen könnten. Auch Schwule, Lesben und Geschlechtlich nicht Definierte. Auch Ich verstehe an dieser Stelle nicht, wie die Leute übersehen können, dass es die Mehrheit der Amerikaner eben nicht interessiert, dass da in Washington am Fernseher für Frauenrechte demonstriert wird. Denn im selben Moment steht da eine alleinerziehende schwarze Frau hinter dem Tresen und verdient zuwenig Geld, um sich Betreuung für ihre Kinder und eine gute zukunftssichernde Erziehung für sie leisten zu können.

Ich denke, dass man sich doch eigentlich diesen Widersprüchen stellen müsste, um bei den Leuten dafür zu sorgen, dass sie diese Probleme nicht mehr haben. Lösungen finden. Und nicht diejenigen, die die Probleme ansprechen, dafür zu kritisieren, dass sie ein ganz anderes Thema unserer Meinung nach falsch angehen.

Und hier komme ich zum Nationalistischen. Ich denke, dass es auf den ersten Blick realistischer ist, soziale und wirtschaftliche Probleme auf nationaler als auf internationaler Ebene zu lösen. Vor allem, wenn eben diese globalisierte Wirklichkeit die Leute dorthin gebracht hat, wo sie für Höckes und Trump stimmen. Wer also die national(istisch)e Lösung kritisiert, der muss den Wählern einen glaubwürdigeren Vorschlag bringen. Und solange Leute wie Bernie Sanders oder Andrej Holm mit ihren Ansätzen für eine gerechtere Welt von Ämtern (und Arbeit) ferngehalten werden und die herrschende Klasse nicht fähig ist, solche Leute und ihre Vorschläge in die Politik einer globalisierten Welt zu integrieren, muss sie sich für die Folgen dieser Unfähigkeit kritisieren lassen.

Sie selbst muss dafür sorgen, dass die Folgen nicht mehr der Anlass dazu sein können, eine inhumane Wahlentscheidung zu treffen.

Erkennen noch andere diesen Widerspruch? Immerhin wählen dieselben Leute, die Trump kritisieren, auch Seehofer, Merkel, Gabriel und Kretzschmann. Ich wünsche mir, dass mehr über die Sanders und Holms gesprochen wird und ich wünsche mir, dass mehr Alternativen und gegenwartsnahe Utopien besprochen werden. Damit wir keine alternativen Wahrheiten mehr brauchen, sondern wahre Alternativen haben.

Standard

Montags in Dresden

Wir lesen soviel darüber, dass da Menschen montags in Dresden auf der Straße rumlaufen, um ihren Ängsten Ausdruck zu verschaffen.

Die einen haben Angst vor X, und die anderen haben Angst vor denen, die da Angst haben. Ich sehe mir das an und frage mich: Warum?

Und dann denke ich. Eigentlich klar, denn die ersten denken an den 11.9.2001 und die anderen denken an den 9.11.1938. Deswegen gehen beide auf die Straße.

Aber woher kommt das? Warum macht sich ein Mensch Gedanken darüber, was in New York vor 13 Jahren passierte? Nun, ich glaube, dass sich die Menschen gar nicht so viel Gedanken drüber machen würden, wenn nicht dauernd drüber geredet würde.
Ich kann im Fernsehen und in der Zeitung ständig davon lesen, dass es in der Welt viele Gefahren gibt. Manche sind spannend und unterhaltsam, wie z.B. giftige Spinnen in Australien. Andere Dinge sind weniger spannend. So was wie Bombenanschläge im Irak. Warum ist das eine ein schauerlicher Spass und das andere nicht? Beides ist tödlich.

Aber in der Zeitung steht: Es kommt zu uns. Wer? Was?
Die Spinnen bleiben in Australien.
Aber die Islamisten kommen nach Europa.
Das steht in allen Zeitungen.
Sieht man sich die Liste auf Wikipedia an, dann sieht man: Es passiert in Deutschland nichts. Was auch immer ensteht, kann alles durch die deutschen Polizeibehörden abgewehrt werden. Und wenn was passiert, und ein Deutscher ist beteiligt, dann geschieht das im Ausland.

Es ist ja auch die Rede von deutschen Islamisten, die sich selbst als Bomben benutzen. Aber, zum Glück, tun sie das alle im Irak oder in Syrien. Hier in Deutschland passiert nichts. Denn die Überwachung funktioniert ja. Hier besteht keine reelle Gefahr, die nicht abgewehrt werden könnte.

Und trotzdem schreiben und sprechen alle Medien von der Gefahr der Islamisten. Dauernd.
Und irgendwann musste es auch beim Letzten angekommen sein. Das ist es jetzt auch. Und jetzt laufen die, die glauben, dass eine wirklich Gefahr für die Bevölkerung bestünde, da in Dresden herum. Und die anderen glauben, dass die anderen eine Gefahr sind, weil sie Angst haben.

Man greift das Gedankengut der Ängstlichen an. Damit überzeugt man sie noch mehr. Gruppendynamik. Aber niemand verbindet das anhaltende Sprechen von islamistischer Gefahr und diese Demonstrationen. Warum eigentlich nicht?

Standard

Ende

die Tage fühlten sich immer länger an

der Raum veränderte sich immer mehr

die Nächte wurden kürzer

während die Sonne sich weniger zeigte

meine Ahnung war ein dumpfes Klopfen

doch du warst schon angekündigt

also drapierte ich meine Heimstatt

damit dein Empfang groß würde

ich sah das Bett

ich sah uns darin

ich erwartete deine Worte

deine Hände, deinen Blick

doch je näher jener Tag kam

während sich die Stunden durch die Nacht rollten

als in der Stadt nur noch die Lichter brannten

stand ich in diese Raum, den ich dir zu Füßen legen wollte

da spürte ich deine Abwesenheit

deinen Abschied, den du in einem Wort gesagt hattest

als ich dieses eine Wort vor mir sah

wusste ich, dass du niemals erscheinen würdest

denn so war es immer gewesen,

wenn mein Wesen sich nach einem Traum hinstreckte

und schon Wirklichkeit schien

dass er verschwand

für immer

im Schweigen der Welt

in den Gesichtern der Straßen

die ohne die Wärme der Sonne sind.

Standard

Draußen vor der Tür

Die Menschen entrüsten sich im Sekundentakt über die Kommentare, die Nachrichten. Sie haben klare Meinungen. Kommt ein unpassender Fakt oder eine unpassende Meinung, werden sie aggressiv.

Aber worum geht es denn wirklich?Es geht um eine Katastrophe. Einige sagen „gewollte Katastrophe“, andere sagen, es sei ein Terrorakt.  Doch niemand weiss nichts genaues, abgesehen von Geheimdiensten aller Länder, die aber nichts sagen und auch keine Beweise vorlegen.

Genau das ist aber nicht das Problem.

Das Problem ist ein anderes: Die Vorstellung, Menschen in der Ukraine, zu welchen Lager sie auch gehören, hätten die Absicht, zivile Opfer zu produzieren. Wollen sie das? Ich möchte glauben, dass sie es weder in Flugzeugen, noch in Wohnhäusern wollen. Es wird aber dennoch gestorben. Hier wird dämonisiert. Wer einen anderen Menschen nicht dämonisiert, kann ihn nicht töten. Vielleicht ist die Formulierung aus Sicht der Psychologie nicht haltbar. Dennoch denke ich, dass man einem Menschen erst auszulöschen bereit ist, wenn man ihn als Bedrohung betrachtet.

Ist die richtige Frage: Wollten diejenigen, die das Flugzeug abgeschossen haben, es auch abschießen? Wollten sie 298 Zivilisten ermorden? Wenn wir ermorden sagen, dann sprechen wir von einer böswilligen Absicht. Gab es diese Absicht? Ich habe meine Zweifel. Denn weder die eine noch die andere Seite in diesem Konflikt im Zentrum Eurasiens kann die Absicht gehabt haben, 298 Unschuldige hineinzuziehen.

Warum sollten sie? Es würde doch BEIDEN Konfliktparteien äußerst schlecht zu Gesicht stehen. War es ein Unfall? War es ein „Collateral Damage“, wie man dazu in den USA sagen würde?

Ich weiß es nicht. Die Frage, die mich aber am meisten interessiert:

Müssen diese Reaktionen sein? Ich lese Dinge wie „Massenmord in der Ukraine“, „dieses Ereignis ändert alles“, „das Monster,das Putin schuf“. „Diese Indizien sprechen für die Separatisten als Täter“. „Experte nennt Aufzeichung von Telefonat der Volksmilizen gefälscht.“ „Malaysian Airlines: Ukraine zwang Flugzeug tiefer zu fliegen“

Natürlich muss aufgeklärt werden, wer das war und wie es dazu kam. Das wäre ganz einfach gemacht: Satellitenbilder zeigen und fertig ist das. Echtzeitüberwachung ist doch schon lange aus dem All möglich. Warum das nicht passiert, weiss ich nicht.

Welche Fragen müssen gestellt werden, wenn die Ursache geklärt ist?

Sind die richtigen Fragen die folgenden: Wie sieht die Strafe aus? Was für eine Strafe? Bringt das die Toten wieder ins Leben? Sind Sanktionen die richtige Lösung? Gegen wen? Wie vielen Menschen brächte das neues Leid? Sollte man den Verantwortlichen angreifen? Wie vielen Lebenden brächte diese Schlussfolgerungen den Tod?

Oder sind die richtigen Fragen nicht solche: Muss es sein, dass alle jetzt geifernd den Schuldigen auf beiden Seiten suchen? Anstatt zu trauern und zu verstehen, verstärken wir das Hassgefühl in uns, entweder auf den bösen Putin oder auf die bösen USA, samt den angenommenen Handlangern beider Lager? Wohin bringt uns das?Vor einiger Zeit habe ich gefragt: Was interessiert mich die Krim? Ich frage mich heute: Warum interessiert die Ukraine die Krim? Warum interessiert die Russen die Krim? Warum die Deutschen? Warum die Amerikaner? Wohin führt uns dieses Interesse?

„Für wen? für was?“ hat Borchert mal gefragt.

Wer hat die Antwort?

Standard

Propagandaopfer im Juli 2014

Während die Krise immer deutlicher am Horizont sich abzeichnet, lassen sich zahllose Menschen weiterhin einlullen oder durch gezielt Einflussnahme der entsprechenden Stellen sogar zur Agitation verleiten. Niemand weiß, ob sie dafür bezahlt werden oder, ob sie tatsächlich glauben, dass sie logischem und ausgewogenem Denken unterlägen. Viele Menschen erleiden diesen Irrtum tagtäglich und es verwundert nicht, dass auch in diesem Fall die Fehleinschätzungen ins Kraut schießen.

Am Ende des Tages ist das auch überhaupt nicht wichtig. Fakt ist, dass die unglaublichen Vorgänge, die wir gerade beobachten können, von der nichtmedialen Öffentlichkeit nicht richtig bewertet werden können. Es verwundert auch nicht. Denn die Menschen sind ja nicht vor Ort. Wie sollen sie sich da eine zuverlässige Quelle haben? Das einzige, was sie sehen, sind die Hauptereignisse, die ihnen die Massenmedien zur Verfügung stellen. Fern der Heimat sehen sie Bilder, die sie nicht richtig interpretieren können, weil ihnen das Herrschaftswissen nicht zur Verfügung steht.

Die Niederlage zeichnet sich deutlich am Horizont ab, während manche noch glauben, dass die Heile Welt weiterhin existiert. Sie werden durch die Führenden auch darin bestärkt, die ihnen Bilder von Fröhlichkeit präsentieren und die behaupten, es gäbe auch weiterhin die Möglichkeit, die schon klar am blauen sommerlichen Himmel stehende Erniedrigung zu vermeiden oder gar behaupten, dass der Erfolg noch möglich sei.

Am Schlimmsten treiben es aber diejenigen, die dem Hauptverantwortlichen Verständnis entgegenbringen. Die in den Medien sich von der kritischen und klaren Sichtweise der Dinge abweichen und vor der augenscheinlichen strategischen und taktischen Unfähigkeit des Hauptschuldigen, der später zur Rechenschaft gezogen werden muss, nicht nur nichts wissen wollen, sondern ihn noch verteidigen.

Ganz besonders erschreckend ist es in der FAZ zu lesen: „Kein Fall von Sturheit“ titelt die Gazette aus der Stadt mit den vielen Bankentürmen. Man liest weiter und ist fast erschrocken. Denn man muss lesen, dass es nicht die Schuld des Einen sei, sondern die Schuld der Medien, die es klar sähen:

Es gehört zu den Medienritualen, von Führungskräften Festlegungen einzufordern und ihnen diese dann um die Ohren zu hauen.

Ist es denn nicht die Verantwortlichkeit von Medien, die Menschen darüber aufzuklären, was wirklich vor sich geht und klare Aussagen von denjenigen zu verlangen, die dafür ausgewählt worden sind und sich bereit erklärt haben, diesen Dienst am Volke zu leisten?

Die FAZ geht noch weiter. Sie erzeugt einen veritablen Shitstorm gegenüber der Zeit, die zu Recht titelt: …bleibt stur.

Sie sind sich nicht zu schade, den Übeltäter auch noch so zu zitieren, als habe er nichts Grundfalsches gesagt: Ich habe meine Entscheidungen getroffen –  Und dazu stehe ich bis zum Schluss. Niemandem muss gesagt werden, dass uns die Geschichte gelehrt hat, dass solche Sturheit ins Elend führt. Es spricht Bände, dass gerade die konservative FAZ diesen Aspekt nicht sehen will.

Es muss dem Leser wie ein Schlag in den Magen vorkommen, dass die FAZ dann auch noch behauptet, er hätte die Eskalation nicht weitergetrieben. Und damit war die nächste Eskalationsstufe….  erreicht. Natürlich ist sich die FAZ nicht zu schade, die Menschen, die noch Hoffnung haben, lächerlich zu machen:

Manch einer, der…. einen tollkühnen Angriff (in der Entscheidung; Anm. d. A.) auf Sieghoffnungen … sah, fühlte sich in seinem Verdacht bestätigt: einfach beratungsresistent….

In der Not müssen Entscheidungen getroffen werden, das ist klar. Aber, wer so offensichtlich fatale Entscheidungen über die Besetzung der Schlüsselstellen trifft, wer sich die falschen Berater ins Boot holt und somit das Wohl und Wehe der Nation einfach auf schändlichste Art und Weise mit Füßen tritt, dem kann auch mit solchen Sätzen der ihm beispringenden Propagandamaschinerie nicht geholfen werden:

Was die Sache zusätzlich kompliziert macht: Wer eine Festlegung vermeidet, gilt schnell als unentschlossen und führungsschwach. Die Realität (…) aber sieht anders aus: Er muss seine Entscheidungen immer wieder überprüfen und veränderten Gegebenheiten anpassen.

Es geht nicht darum, eine klare Entscheidung zu treffen, sondern die RICHTIGEN Entscheidungen müssen getroffen werden. Und allen ist klar, dass diese Entscheidungen, die wir seit dem 2. Juni 2014 gesehen haben, nicht korrekt sind. Diese Entscheidungen sind fatal. Und besonders diese eine. Natürlich können die bezahlten Manipuleure nicht anders, als zu behaupten: (Es) hatte einen simplen und plausiblen Grund. Als noch nicht absehbar war, ob und, wenn ja, in welchem Zustand ( die anderen )bereit sein würden, lag es nahe, das Herzstück  mit einem gesunden und vollauf verlässlichen Mann zu besetzen – der obendrein diese Rolle auch in seinem Hauptberuf mehr als zur Zufriedenheit ausfüllt.

Müssen wir denn noch wirklich darüber diskutieren?

Allen ist klar, dass an dieser Stelle der „gesunde und vollauf verlässliche Mann“ nichts zu suchen hat. Ganz nebenbei sei darauf hingewiesen, dass diese Positionierung keine eigenständige Entscheidung unseres Verantwortlichen war, sondern die Kopfgeburt eines Fremden. Eines Menschen, der unsere Kultur nicht kennt und nicht weiß, wie wir fühlen. Das ist letztlich das Schlimmste: Die Entkernung der eigenen Kultur zu Gunsten einer verrückten Idee, die mit unserer Kultur nichts zu tun hat. Aber das ist der FAZ und auch (!!!) anderen Medien keine Erwähnung wert.

Aber die Wechselbalge der konservativen Presse schaffen es natürlich, noch bevor es überhaupt losgegangen sein wird, die Verantwortung für ihre eigene Propaganda auf den Entscheider zurückzuwälzen:

Natürlich wird er sich am Ende auch an dieser Entscheidung messen lassen müssen. Sturheit aber wäre nur eines: Ein Votum in so einer zentralen Frage einsam oder gar gegen den ausdrücklichen Wunsch des Teams zu treffen.

Es ist unglaublich unverantwortlich von Seiten der FAZ, nicht mit voller Wucht auf eine Änderung der fatalen Richtungsanweisungen dieses Mannes zu drängen und Teile des Volkes ein Verständnis für all das aufzuzwingen und sich gleichzeitig aus der Schusslinie zu bringen.

Aber seien wir ehrlich: Wir sind von den Medien nichts anderes mehr gewohnt. Hoffen wir einfach, dass auch bald die FAZ erkennt, dass die Mehrheit alles korrekt erfühlt:

Dieser Mann hat keine Ahnung von Taktik, er kann seine Mannen nicht richtig einberufen, er hat immer noch keine Erfolge nachzuweisen. Es ist so offensichtlich. Zu Recht fragt sich mancher in den Foren der einschlägigen Zeitungen: Sitzt der Patriotismus so tief und fest dass ER  grundsätzlich von den Propagandaopfern als fehlerlos u. unantastbar zur Not bis aufs Blut verteidigt wird ?Und da wären wir dann wieder bei der konservativen FAZ. Nur da können solche patriotischen Versteher des Herrn Joachim gezüchtet werden. Die Joachimsversteher werden sich noch wundern. Vielleicht nicht heute Abend, vielleicht erst am 8. Juli, vielleicht aber auch erst am 13.Juli dieses Jahres werden wir sehen, dass man mit dem Wunsch einiger der Hauptmarionetten, für die fatalen Leistungen auch noch als „clevere Hunde“ belobigt zu werden, nicht zum Ruhm und der Ehre der Nation beiträgt. Zwar behaupten manche Akteure das Gegenteil und einer steigert sich sogar zu dieser Aussage: Man wolle für seine Leistung zwar nicht mit Lobeshymnen überschüttet werden. „Aber harsche Kritik finde ich auch nicht gerecht.“ Aber es ist augenscheinlich, was sie wollen. Sie wollen nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Und fangen an, zur Führungsriege auf Distanz zu gehen . Kurz gesagt: Es wird einsam um Joachim und seine fade Bande. Die Joachimsversteher sehen das natürlich nicht. Noch nicht. Aber spätestens heute Abend zur Tagesschau werden sie einsehen müssen, dass sie schändlicher Propaganda zum Opfer gefallen sind. Das größte Land Europas darf nicht fallen. Gegen niemanden. Es gibt niemanden, der sich mit uns nur annähernd messen kann. Aber sie werden fallen. Doch Schuld wird nur Joachim auf sich geladen haben. Nur Joachim. Und mit ihm werden alle fallen, die mit ihm mitlaufen und sich mit ihm an diesem Goldnapf gütlich tun. Bis man sie zu Recht verjagt.Wenn nicht heute abend, dann am Dienstag. Und wenn nicht am Dienstag, dann am Sonntag. Und wenn dieser Bundestrainer tatsächlich die WM gewinnen sollte, dann tritt er eh zurück. Ich behalte also so oder so Recht: Nach dieser WM müssen sich die Löwversteher daran gewöhnen, dass ein Lahm auf die Außenbahn gehört, egal was der Katalane Pep Guardiola sagt. Denn wir sind Schland. Und das ist auch schwarz-rot-geil so! WIR WERDEN WELTMEISTER! vielleicht…

Es ist mir im Übrigen egal, wie wir das Spiel gewinnen und wo Lahm spielt…

Hauptsache Schland!

 

UPDATE  (5.Juli 2014): Manchmal überholt die Realität die Satire.

 

Standard

Ein Ereignis, zwei Standpunkte

Was können wir wirklich wissen, wenn wir uns im Internet auf die Suche begeben, um Informationen zu finden, die wir sonst nicht finden?

Es wird viel über Verschwörungstheorien geredet. Aber ich weiß in diesen Tagen nicht mehr, was eine Verschwörungstheorie von einer Wahrheit unterscheidet. Denn es gibt  immer verschiedene Standpunkte.

Ein gutes Beispiel sind die beiden folgenden Videos zu den Ereignissen in Venezuela, bei denen man nach jeweils 5 Minuten versteht, was ihre Aussage ist.

 

Was ich an beiden interessant finde, ist jeweils die Argumentation. Aber seht selbst:

Video 1

Video 2:

 

 

Standard