Montags in Dresden

Wir lesen soviel darüber, dass da Menschen montags in Dresden auf der Straße rumlaufen, um ihren Ängsten Ausdruck zu verschaffen.

Die einen haben Angst vor X, und die anderen haben Angst vor denen, die da Angst haben. Ich sehe mir das an und frage mich: Warum?

Und dann denke ich. Eigentlich klar, denn die ersten denken an den 11.9.2001 und die anderen denken an den 9.11.1938. Deswegen gehen beide auf die Straße.

Aber woher kommt das? Warum macht sich ein Mensch Gedanken darüber, was in New York vor 13 Jahren passierte? Nun, ich glaube, dass sich die Menschen gar nicht so viel Gedanken drüber machen würden, wenn nicht dauernd drüber geredet würde.
Ich kann im Fernsehen und in der Zeitung ständig davon lesen, dass es in der Welt viele Gefahren gibt. Manche sind spannend und unterhaltsam, wie z.B. giftige Spinnen in Australien. Andere Dinge sind weniger spannend. So was wie Bombenanschläge im Irak. Warum ist das eine ein schauerlicher Spass und das andere nicht? Beides ist tödlich.

Aber in der Zeitung steht: Es kommt zu uns. Wer? Was?
Die Spinnen bleiben in Australien.
Aber die Islamisten kommen nach Europa.
Das steht in allen Zeitungen.
Sieht man sich die Liste auf Wikipedia an, dann sieht man: Es passiert in Deutschland nichts. Was auch immer ensteht, kann alles durch die deutschen Polizeibehörden abgewehrt werden. Und wenn was passiert, und ein Deutscher ist beteiligt, dann geschieht das im Ausland.

Es ist ja auch die Rede von deutschen Islamisten, die sich selbst als Bomben benutzen. Aber, zum Glück, tun sie das alle im Irak oder in Syrien. Hier in Deutschland passiert nichts. Denn die Überwachung funktioniert ja. Hier besteht keine reelle Gefahr, die nicht abgewehrt werden könnte.

Und trotzdem schreiben und sprechen alle Medien von der Gefahr der Islamisten. Dauernd.
Und irgendwann musste es auch beim Letzten angekommen sein. Das ist es jetzt auch. Und jetzt laufen die, die glauben, dass eine wirklich Gefahr für die Bevölkerung bestünde, da in Dresden herum. Und die anderen glauben, dass die anderen eine Gefahr sind, weil sie Angst haben.

Man greift das Gedankengut der Ängstlichen an. Damit überzeugt man sie noch mehr. Gruppendynamik. Aber niemand verbindet das anhaltende Sprechen von islamistischer Gefahr und diese Demonstrationen. Warum eigentlich nicht?

Standard

Ende

die Tage fühlten sich immer länger an

der Raum veränderte sich immer mehr

die Nächte wurden kürzer

während die Sonne sich weniger zeigte

meine Ahnung war ein dumpfes Klopfen

doch du warst schon angekündigt

also drapierte ich meine Heimstatt

damit dein Empfang groß würde

ich sah das Bett

ich sah uns darin

ich erwartete deine Worte

deine Hände, deinen Blick

doch je näher jener Tag kam

während sich die Stunden durch die Nacht rollten

als in der Stadt nur noch die Lichter brannten

stand ich in diese Raum, den ich dir zu Füßen legen wollte

da spürte ich deine Abwesenheit

deinen Abschied, den du in einem Wort gesagt hattest

als ich dieses eine Wort vor mir sah

wusste ich, dass du niemals erscheinen würdest

denn so war es immer gewesen,

wenn mein Wesen sich nach einem Traum hinstreckte

und schon Wirklichkeit schien

dass er verschwand

für immer

im Schweigen der Welt

in den Gesichtern der Straßen

die ohne die Wärme der Sonne sind.

Standard

Draußen vor der Tür

Die Menschen entrüsten sich im Sekundentakt über die Kommentare, die Nachrichten. Sie haben klare Meinungen. Kommt ein unpassender Fakt oder eine unpassende Meinung, werden sie aggressiv.

Aber worum geht es denn wirklich?Es geht um eine Katastrophe. Einige sagen „gewollte Katastrophe“, andere sagen, es sei ein Terrorakt.  Doch niemand weiss nichts genaues, abgesehen von Geheimdiensten aller Länder, die aber nichts sagen und auch keine Beweise vorlegen.

Genau das ist aber nicht das Problem.

Das Problem ist ein anderes: Die Vorstellung, Menschen in der Ukraine, zu welchen Lager sie auch gehören, hätten die Absicht, zivile Opfer zu produzieren. Wollen sie das? Ich möchte glauben, dass sie es weder in Flugzeugen, noch in Wohnhäusern wollen. Es wird aber dennoch gestorben. Hier wird dämonisiert. Wer einen anderen Menschen nicht dämonisiert, kann ihn nicht töten. Vielleicht ist die Formulierung aus Sicht der Psychologie nicht haltbar. Dennoch denke ich, dass man einem Menschen erst auszulöschen bereit ist, wenn man ihn als Bedrohung betrachtet.

Ist die richtige Frage: Wollten diejenigen, die das Flugzeug abgeschossen haben, es auch abschießen? Wollten sie 298 Zivilisten ermorden? Wenn wir ermorden sagen, dann sprechen wir von einer böswilligen Absicht. Gab es diese Absicht? Ich habe meine Zweifel. Denn weder die eine noch die andere Seite in diesem Konflikt im Zentrum Eurasiens kann die Absicht gehabt haben, 298 Unschuldige hineinzuziehen.

Warum sollten sie? Es würde doch BEIDEN Konfliktparteien äußerst schlecht zu Gesicht stehen. War es ein Unfall? War es ein „Collateral Damage“, wie man dazu in den USA sagen würde?

Ich weiß es nicht. Die Frage, die mich aber am meisten interessiert:

Müssen diese Reaktionen sein? Ich lese Dinge wie „Massenmord in der Ukraine“, „dieses Ereignis ändert alles“, „das Monster,das Putin schuf“. „Diese Indizien sprechen für die Separatisten als Täter“. „Experte nennt Aufzeichung von Telefonat der Volksmilizen gefälscht.“ „Malaysian Airlines: Ukraine zwang Flugzeug tiefer zu fliegen“

Natürlich muss aufgeklärt werden, wer das war und wie es dazu kam. Das wäre ganz einfach gemacht: Satellitenbilder zeigen und fertig ist das. Echtzeitüberwachung ist doch schon lange aus dem All möglich. Warum das nicht passiert, weiss ich nicht.

Welche Fragen müssen gestellt werden, wenn die Ursache geklärt ist?

Sind die richtigen Fragen die folgenden: Wie sieht die Strafe aus? Was für eine Strafe? Bringt das die Toten wieder ins Leben? Sind Sanktionen die richtige Lösung? Gegen wen? Wie vielen Menschen brächte das neues Leid? Sollte man den Verantwortlichen angreifen? Wie vielen Lebenden brächte diese Schlussfolgerungen den Tod?

Oder sind die richtigen Fragen nicht solche: Muss es sein, dass alle jetzt geifernd den Schuldigen auf beiden Seiten suchen? Anstatt zu trauern und zu verstehen, verstärken wir das Hassgefühl in uns, entweder auf den bösen Putin oder auf die bösen USA, samt den angenommenen Handlangern beider Lager? Wohin bringt uns das?Vor einiger Zeit habe ich gefragt: Was interessiert mich die Krim? Ich frage mich heute: Warum interessiert die Ukraine die Krim? Warum interessiert die Russen die Krim? Warum die Deutschen? Warum die Amerikaner? Wohin führt uns dieses Interesse?

„Für wen? für was?“ hat Borchert mal gefragt.

Wer hat die Antwort?

Standard

Propagandaopfer im Juli 2014

Während die Krise immer deutlicher am Horizont sich abzeichnet, lassen sich zahllose Menschen weiterhin einlullen oder durch gezielt Einflussnahme der entsprechenden Stellen sogar zur Agitation verleiten. Niemand weiß, ob sie dafür bezahlt werden oder, ob sie tatsächlich glauben, dass sie logischem und ausgewogenem Denken unterlägen. Viele Menschen erleiden diesen Irrtum tagtäglich und es verwundert nicht, dass auch in diesem Fall die Fehleinschätzungen ins Kraut schießen.

Am Ende des Tages ist das auch überhaupt nicht wichtig. Fakt ist, dass die unglaublichen Vorgänge, die wir gerade beobachten können, von der nichtmedialen Öffentlichkeit nicht richtig bewertet werden können. Es verwundert auch nicht. Denn die Menschen sind ja nicht vor Ort. Wie sollen sie sich da eine zuverlässige Quelle haben? Das einzige, was sie sehen, sind die Hauptereignisse, die ihnen die Massenmedien zur Verfügung stellen. Fern der Heimat sehen sie Bilder, die sie nicht richtig interpretieren können, weil ihnen das Herrschaftswissen nicht zur Verfügung steht.

Die Niederlage zeichnet sich deutlich am Horizont ab, während manche noch glauben, dass die Heile Welt weiterhin existiert. Sie werden durch die Führenden auch darin bestärkt, die ihnen Bilder von Fröhlichkeit präsentieren und die behaupten, es gäbe auch weiterhin die Möglichkeit, die schon klar am blauen sommerlichen Himmel stehende Erniedrigung zu vermeiden oder gar behaupten, dass der Erfolg noch möglich sei.

Am Schlimmsten treiben es aber diejenigen, die dem Hauptverantwortlichen Verständnis entgegenbringen. Die in den Medien sich von der kritischen und klaren Sichtweise der Dinge abweichen und vor der augenscheinlichen strategischen und taktischen Unfähigkeit des Hauptschuldigen, der später zur Rechenschaft gezogen werden muss, nicht nur nichts wissen wollen, sondern ihn noch verteidigen.

Ganz besonders erschreckend ist es in der FAZ zu lesen: „Kein Fall von Sturheit“ titelt die Gazette aus der Stadt mit den vielen Bankentürmen. Man liest weiter und ist fast erschrocken. Denn man muss lesen, dass es nicht die Schuld des Einen sei, sondern die Schuld der Medien, die es klar sähen:

Es gehört zu den Medienritualen, von Führungskräften Festlegungen einzufordern und ihnen diese dann um die Ohren zu hauen.

Ist es denn nicht die Verantwortlichkeit von Medien, die Menschen darüber aufzuklären, was wirklich vor sich geht und klare Aussagen von denjenigen zu verlangen, die dafür ausgewählt worden sind und sich bereit erklärt haben, diesen Dienst am Volke zu leisten?

Die FAZ geht noch weiter. Sie erzeugt einen veritablen Shitstorm gegenüber der Zeit, die zu Recht titelt: …bleibt stur.

Sie sind sich nicht zu schade, den Übeltäter auch noch so zu zitieren, als habe er nichts Grundfalsches gesagt: Ich habe meine Entscheidungen getroffen –  Und dazu stehe ich bis zum Schluss. Niemandem muss gesagt werden, dass uns die Geschichte gelehrt hat, dass solche Sturheit ins Elend führt. Es spricht Bände, dass gerade die konservative FAZ diesen Aspekt nicht sehen will.

Es muss dem Leser wie ein Schlag in den Magen vorkommen, dass die FAZ dann auch noch behauptet, er hätte die Eskalation nicht weitergetrieben. Und damit war die nächste Eskalationsstufe….  erreicht. Natürlich ist sich die FAZ nicht zu schade, die Menschen, die noch Hoffnung haben, lächerlich zu machen:

Manch einer, der…. einen tollkühnen Angriff (in der Entscheidung; Anm. d. A.) auf Sieghoffnungen … sah, fühlte sich in seinem Verdacht bestätigt: einfach beratungsresistent….

In der Not müssen Entscheidungen getroffen werden, das ist klar. Aber, wer so offensichtlich fatale Entscheidungen über die Besetzung der Schlüsselstellen trifft, wer sich die falschen Berater ins Boot holt und somit das Wohl und Wehe der Nation einfach auf schändlichste Art und Weise mit Füßen tritt, dem kann auch mit solchen Sätzen der ihm beispringenden Propagandamaschinerie nicht geholfen werden:

Was die Sache zusätzlich kompliziert macht: Wer eine Festlegung vermeidet, gilt schnell als unentschlossen und führungsschwach. Die Realität (…) aber sieht anders aus: Er muss seine Entscheidungen immer wieder überprüfen und veränderten Gegebenheiten anpassen.

Es geht nicht darum, eine klare Entscheidung zu treffen, sondern die RICHTIGEN Entscheidungen müssen getroffen werden. Und allen ist klar, dass diese Entscheidungen, die wir seit dem 2. Juni 2014 gesehen haben, nicht korrekt sind. Diese Entscheidungen sind fatal. Und besonders diese eine. Natürlich können die bezahlten Manipuleure nicht anders, als zu behaupten: (Es) hatte einen simplen und plausiblen Grund. Als noch nicht absehbar war, ob und, wenn ja, in welchem Zustand ( die anderen )bereit sein würden, lag es nahe, das Herzstück  mit einem gesunden und vollauf verlässlichen Mann zu besetzen – der obendrein diese Rolle auch in seinem Hauptberuf mehr als zur Zufriedenheit ausfüllt.

Müssen wir denn noch wirklich darüber diskutieren?

Allen ist klar, dass an dieser Stelle der „gesunde und vollauf verlässliche Mann“ nichts zu suchen hat. Ganz nebenbei sei darauf hingewiesen, dass diese Positionierung keine eigenständige Entscheidung unseres Verantwortlichen war, sondern die Kopfgeburt eines Fremden. Eines Menschen, der unsere Kultur nicht kennt und nicht weiß, wie wir fühlen. Das ist letztlich das Schlimmste: Die Entkernung der eigenen Kultur zu Gunsten einer verrückten Idee, die mit unserer Kultur nichts zu tun hat. Aber das ist der FAZ und auch (!!!) anderen Medien keine Erwähnung wert.

Aber die Wechselbalge der konservativen Presse schaffen es natürlich, noch bevor es überhaupt losgegangen sein wird, die Verantwortung für ihre eigene Propaganda auf den Entscheider zurückzuwälzen:

Natürlich wird er sich am Ende auch an dieser Entscheidung messen lassen müssen. Sturheit aber wäre nur eines: Ein Votum in so einer zentralen Frage einsam oder gar gegen den ausdrücklichen Wunsch des Teams zu treffen.

Es ist unglaublich unverantwortlich von Seiten der FAZ, nicht mit voller Wucht auf eine Änderung der fatalen Richtungsanweisungen dieses Mannes zu drängen und Teile des Volkes ein Verständnis für all das aufzuzwingen und sich gleichzeitig aus der Schusslinie zu bringen.

Aber seien wir ehrlich: Wir sind von den Medien nichts anderes mehr gewohnt. Hoffen wir einfach, dass auch bald die FAZ erkennt, dass die Mehrheit alles korrekt erfühlt:

Dieser Mann hat keine Ahnung von Taktik, er kann seine Mannen nicht richtig einberufen, er hat immer noch keine Erfolge nachzuweisen. Es ist so offensichtlich. Zu Recht fragt sich mancher in den Foren der einschlägigen Zeitungen: Sitzt der Patriotismus so tief und fest dass ER  grundsätzlich von den Propagandaopfern als fehlerlos u. unantastbar zur Not bis aufs Blut verteidigt wird ?Und da wären wir dann wieder bei der konservativen FAZ. Nur da können solche patriotischen Versteher des Herrn Joachim gezüchtet werden. Die Joachimsversteher werden sich noch wundern. Vielleicht nicht heute Abend, vielleicht erst am 8. Juli, vielleicht aber auch erst am 13.Juli dieses Jahres werden wir sehen, dass man mit dem Wunsch einiger der Hauptmarionetten, für die fatalen Leistungen auch noch als „clevere Hunde“ belobigt zu werden, nicht zum Ruhm und der Ehre der Nation beiträgt. Zwar behaupten manche Akteure das Gegenteil und einer steigert sich sogar zu dieser Aussage: Man wolle für seine Leistung zwar nicht mit Lobeshymnen überschüttet werden. „Aber harsche Kritik finde ich auch nicht gerecht.“ Aber es ist augenscheinlich, was sie wollen. Sie wollen nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Und fangen an, zur Führungsriege auf Distanz zu gehen . Kurz gesagt: Es wird einsam um Joachim und seine fade Bande. Die Joachimsversteher sehen das natürlich nicht. Noch nicht. Aber spätestens heute Abend zur Tagesschau werden sie einsehen müssen, dass sie schändlicher Propaganda zum Opfer gefallen sind. Das größte Land Europas darf nicht fallen. Gegen niemanden. Es gibt niemanden, der sich mit uns nur annähernd messen kann. Aber sie werden fallen. Doch Schuld wird nur Joachim auf sich geladen haben. Nur Joachim. Und mit ihm werden alle fallen, die mit ihm mitlaufen und sich mit ihm an diesem Goldnapf gütlich tun. Bis man sie zu Recht verjagt.Wenn nicht heute abend, dann am Dienstag. Und wenn nicht am Dienstag, dann am Sonntag. Und wenn dieser Bundestrainer tatsächlich die WM gewinnen sollte, dann tritt er eh zurück. Ich behalte also so oder so Recht: Nach dieser WM müssen sich die Löwversteher daran gewöhnen, dass ein Lahm auf die Außenbahn gehört, egal was der Katalane Pep Guardiola sagt. Denn wir sind Schland. Und das ist auch schwarz-rot-geil so! WIR WERDEN WELTMEISTER! vielleicht…

Es ist mir im Übrigen egal, wie wir das Spiel gewinnen und wo Lahm spielt…

Hauptsache Schland!

 

UPDATE  (5.Juli 2014): Manchmal überholt die Realität die Satire.

 

Standard

Ein Ereignis, zwei Standpunkte

Was können wir wirklich wissen, wenn wir uns im Internet auf die Suche begeben, um Informationen zu finden, die wir sonst nicht finden?

Es wird viel über Verschwörungstheorien geredet. Aber ich weiß in diesen Tagen nicht mehr, was eine Verschwörungstheorie von einer Wahrheit unterscheidet. Denn es gibt  immer verschiedene Standpunkte.

Ein gutes Beispiel sind die beiden folgenden Videos zu den Ereignissen in Venezuela, bei denen man nach jeweils 5 Minuten versteht, was ihre Aussage ist.

 

Was ich an beiden interessant finde, ist jeweils die Argumentation. Aber seht selbst:

Video 1

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=OVdel510hRk

Video 2:

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=A_Wz8yiVkcM

 

 

Standard

Was interessiert mich die Krim?

Seit Wochen, ja seit Monaten schon diskutieren wir alle mit unseren Freunden, was wohl passieren wird mit der Krim. Halt! Stimmt so nicht. Zuerst haben wir gar nicht über die Krim gesprochen. Sondern über einen Platz in Kiew, auf dem zuerst Studenten demonstriert haben. Ich musste sofort an die Demonstrationen auf der Placa de Sol in Madrid denken. Junge Menschen, die noch nicht komplett in der Arbeitswelt aufgegangen sind, begeben sich auf einen Platz, um gegen die bestehenden Verhältnisse zu demonstrieren. Insofern passierte da in der Ukraine nichts ungewöhnliches. Im Europa unserer Zeit gibt es viele Gründe gegen irgendwas zu sein. Aber was war anders?

Erstens gab es auf dem Maidan eine riesige Konzertbühne. Was hat diese Konzertbühne da gemacht? Wer hat die aufgestellt? Die Studenten? Auf der Placa del Sol, die über Monate hinweg besetzt worden war und auf der die Studenten eine Zeltstadt aufgebaut hatten, gab es so was nicht. Die hatten wohl kein Geld für sowas.

Zweitens wohnten die Demonstranten vom Maidan nicht auf dem Maidan. Sie gingen abends heim. Über die Kameras, die man ansurfen konnte, sah man nichts am Abend. Außer einem Konzert, das von weniger als 1000 Menschen besucht wurde. In Madrid gab es das nicht.

Drittens gab es auf dem Maidan viele Besuche von Politkern aus anderen Ländern. Auf der Placa del Sol nicht. Warum? Die auf dem Maidan demonstrierten gegen den Nicht-Anschluss an den Westen. Die auf der Placa del Sol wandten sich vor allem gegen eine Politik, die nicht in Madrid bestimmt wurde, sondern in Brüssel und Berlin. Was beide Proteste gemeinsam hatten: Sie richteten sich nur gegen eine politische Weichenstellung, sondern vor allem gegen die ihrer Ansicht nach korrupten Politiker, die ihr Land regierten.

Viertens haben die Medien kaum darüber berichtet, dass in Madrid ein zentraler  Platz voller Zelte stand. Über den Maidan wurde sehr intensiv berichtet. Was passiert da eigentlich in diesem Moment? Steht die Bühne noch?

Warum berichten die Medien so viel über diese Geschichte in der Ukraine? Während in Spanien die grundsätzlichen Abkommen einer sozialen Gesellschaft in Frage gestellt und abgeschafft wurden, ging es auf dem Maidan worum? Laut den Aussagen eines pro-Maidan-Ukrainers ging es vor allem gegen die Korruption und gegen eine Politik, die trotz wiederholter Machtwechsel nichts veränderte.

Warum also berichten die Medien nicht in gleichem Maße? Warum berichten sie nicht darüber, dass in diesem Moment, wo man die Rechtmäßigkeit eines Krimabkommens in Zweifel zieht, Venedig sich von Italien abspalten will?

Ich weiß es nicht. Aber ich sehe, dass es momentan viel wichtiger Dinge gibt, über die wir lesen, schreiben und sprechen sollten:

TTIP zum Beispiel. Wir sollten darüber sprechen, dass ein amerikanisch-europäisches Abkommen auf den Weg gebracht wird, von dessen Inhalt wir nur durch Leaks Bescheid wissen.

Wir sollten uns darüber informieren. Nicht über die Krim. Das ist nicht mal Europa. Viel wichtiger ist mir, dem Jacke näher wie Hose ist, ob Global Player wie Coca Cola in Zukunft wirklich Schadenersatz von Staaten verlangen können, wenn diese zum Beispiel wegen des steigenden Anteils der Diabeteskranken Coca Cola verbieten oder das Unternehmen zur Senkung des Zuckerniveaus zwingen sollten. Woraufhin der Absatz von Coca sinken sollte… wegen der schlechten Publicity

Ist das nicht wichtger als die Frage nach der Krim? Die ist doch gar nicht so wichtig…
Wichtig ist, ob wir in Zukunft auch fürchten müssen, dass das, von dem wir denken, dass es privat sei, mit drei Klicks von einem Geheimdienstagenten oder einem outgesourcten Mitarbeiter gelesen werden kann. Alles. Wirklich alles.Was interessiert mich also die Krim? Schimpfen Sie mich einen Egoisten. Aber mir ist es wichtiger, dass ich wirkliche Freiheit habe: Egal, ob ich das Internet benutze oder ob ich mein Handy benutze. Bitte! Beschimpfen sie mich! Wenn es ihnen Recht ist, dass ein einzelner Bürger keine Mittel aufbringen kann, um gegen die Anwaltsarmada samt Lobby großer Firmen vorzugehen und auch auf Grund internationaler Abkommen gar keine Chance dazu hat… Denn da wird es komplette Gerichte geben, die nicht auf demokratischem Wege zu Stande gekommen sind, weil das Wahlvolk hier gar nichts mehr beeinflussen kann.Das finde ich nämlich überhaupt nicht lustig.

Standard

und dann fragte man mich nach Fussball

Heute morgen ging ich mit einigermaßen schlechter Laune zur Arbeit. Es gab überhaupt keinen Grund, schlechte Laune zu haben. Zuerst dachte ich, es sei wegen Schlafmangels, den ich in der Nacht gehabt hatte. Aber das war überhaupt nicht wahr. Ich musste mindestens sieben Stunden geschlafen haben. Es musste an etwas anderem liegen. An der Sonne vielleicht, die mir das Gesicht wärmte, während ich meinen Kaffee auf der Terrasse mit Blick auf den Stadtberg trank? Das kann nicht sein, da ich genau das an dieser Stadt so schätze. Auf dem Weg zur Arbeit kam ich dann am Bahnhof vorbei. Mit viel Zeit war ich losgefahren, so dass ich an heute ganz bequem an den Ampeln stehen bleiben konnte und nicht vor dem über die Ampel Hetzen, noch im steten festen Tritt in die Pedale, weder nach einem grellgelben Polizistenoverall noch einem dunkelblau leuchtenden Fahrzeug Ausschau halten musste.

Gemütlich, aber rasch zog ich an den Taxis vorbei, als plötzlich ein Berg von einem Mann neben einem Taxi anfing zu gröhlen: Manchester, Manchester, Manchesteeeeeeeer…!

Ich dachte nur: Halt die Klappe, du Idiot und schau, dass du ganz schnell wieder in deine ehemalige englische Industriestadt zurückkommst! Euch will hier niemand sehen. Und von Barca kriegt ihr eh auf die Gosch! Aber die Katalanen mit ihrem Präsidenten Sandro Rosell und seinen Neymargeschichten, die will ich gar nicht auf internationaler Ebene spielen sehen. Sowas widert mich einfach an. Da muss endlich mal die FIFA oder die UEFA was machen!

Kaum hatte ich so gedacht, da hätte ich mich fast selbst vom Fahrrad geworfen. An der Ampel bremste ich scharf. Aber nicht, weil es rot geleuchtet hätte, sondern, weil mir klar geworden war, was mich so auf die Palme brachte.

Dieses dumme Geschwätz! Dieses dumme Geschwätz von den Leuten. Ich bin ja grundsätzlich froh, dass ich momentan nicht in Schland bin. Wäre ich da, müsste ich mir all das, was die Leute so erzählen, tagtäglich in voller Kanne geben. Manchmal kann es ja von Vorteil sein, wenn man nicht im Heimatland ist. Durchaus verständlich ist es da, warum auch Erwachsene ständig mit Kopfhörern durch die Stadt laufen.

In diesen Tagen nämlich hätte ich bestimmt eine Depression bekommen. Ohne Zweifel. Allein das, was ich in den Fussballforen lesen durfte. Ein Genuss der besonderen Art. Ich schämte mich für meinen Gedanken über den bereits zurückgetretenen Ex-Präsidenten des FC Barcelona.

Im Gegensatz zu unserem derzeitig vor Gericht stehenden Bayernpräsidenten, der jedwede Unschuldsvermutung allein durch seine Selbstanzeige vollkommen null und nichtig gemacht hat, hat dieser Mann aus dem ach so korrupten Südeuropa nämlich seine Konsequenzen gezogen.

An dieser Stelle werden einige ein lautes HALT! anbringen wollen. Die Geschäfte des Ulrich Hoeness sind doch privat gewesen. Sandro Russell hat mit Neymar und Barcelona direkt… PRIVAT? Über dieses „privat“ werde ich mich gleich noch ausführlich aufregen. Zuerst muss ich erstmal klarstellen, dass hier von vielen Bayernfans eine Person verteidigt wird, die einfach mal ihre Schuld schon eingestanden hat.

Von wie vielen Menschen und Bayernfans habe ich in den letzten Jahren ein Lästern über Berlusconi gehört? Wie stolz schwang da die Annahme mit, dass wir nicht in einem Bananenstaat leben, wie es uns da südlich der Alpen osramhell präsentiert wird. Andererseits schwang wohl in dem Lästern über Berlusconi auch noch die heimliche Bewunderung mit: A Hund isser scho, der Silvio…

Genau das, was wohl in den Köpfen vieler Bayernfans vor sich geht, die den amtierenden Bayernpräsidenten verteidigen. Natürlich. Die Medien haben ein gefundenes Fressen. Geschenkt! Die Meute folgt dem Alphatier. Denn: WIR gegen den Rest der Welt. Dass sie da jemand haben, der da chronisch auf die Regeln pfeift, die unsere Gesellschaft zusammenhalten? Der ein WIR einfach mal nur an der Säbenerstraße kennt?  Egal! Gib mir die Championsleague! Bei so viel vor Blindheit strotzender Egozentrik wird mir einfach nur noch speiübel.

Mir, als Bayernfan (bin ich es noch?), ist schon bewusst, dass der Fussball nun mal so ist. Die edlen Gedanken und Haltungen werden so lange gefeiert, solange die eigene Mannschaft den Sieg davon trägt. Da darf auch Robben gerne mal wieder gegen den FC Arsenal solange rumschwalben, bis er einen Elfmeter bekommt, den Müller dankenswerter Weise zu der Ehrenrettung der Mannschaft verschießt. Trotzdem ist Robben unser Bester!

Und trotzdem finde ich es erbärmlich und beschämend, was gerade passiert.

Denn hier endlich komme ich zu dem, was mich an dem „PRIVAT“ so aufregt. Hat denn mal jemand nachgedacht, was die veröffentlichten Zahlen bedeuten? Für eine Sekunde? Uli Hoeness hat in den Jahren seiner Zockerei 130 Millionen Euro Gewinn gemacht. Das rechnet uns die Staatsanwaltschaft vor. Und diese Gewinne sollen aus einem mickrigen Darlehen von einem seiner Geschäftspartner von 10 Millionen Euro entstanden sein? Gleichzeitig sollen auf dem Konto maximal 600 Mio Euro gewesen sein. Sagte Spiegel Online.  Also, wenn man die massiven Verluste, die Hoeness auch gemacht haben soll, einfach mal weglässt, dann komme ich nicht bei 600 Mio raus, sondern bei 140 Mio. Könnte mal bitte jemand sein Hirn einschalten? Woher kamen die restlichen 460 Mio?

Die kamen vom Himmel geflogen, oder was? Hat sie jemand versehentlich eingezahlt? Und wenn ja, wer? Auch Dreyfus? Oder sind sie aus der Stadionkasse… Ich will nicht weiterdenken.

Soll ich vielleicht doch mal kurz überlegen, wer hier zu Beginn des letzten Jahrzehnts mit heimlichen Zahlungen in der Zentralvermarktung der Bundesliga gehalten worden ist? Soll ich nachdenken, wer einen gewissen Herrn Deisler mit einem heimlichen Scheck über 20 Mio HANDGELD zum FC Bayern geholt hat?

Soll ich darüber nachdenken, dass in der Geschichte der Bundesliga, und des Fussballs überhaupt, Gelder flossen und fließen, die niemals an die Öffentlichkeit, geschweige denn an Finanzämter gingen? Soll ich darüber nachdenken, dass das, was sich Fussballkultur nennt, nichts anderes als ein Dunggrube ist, in der Hemmungslose nach Gold fischen und sich andere daran erregen, dass die Hemmungslosen sich in dem stinkenden Matsch um die zahlreich vorhanden Krumen balgen? Und sich wünschen, dass sie selber da mitgrunzen dürfen?

Soll ich mir darüber Gedanken machen, dass ein russischer Mafiosi behauptet hat, der FC Bayern hätte 50 Millionen US-Dollar bekommen, damit sie das Halbfinale des Schülerpokals gegen Zenit St. Petersburg verlieren? Ich erinnere mich daran, dass ich die Leistung des FC Bayerns damals einfach nur erschreckend fand. Dass die Entstehung der Tore so unglaublich dämlich aussah. Aber der Kalle Rummenigge gesagt, hat, dass das nicht stimmt… Tja… Was soll ich am Ende des Tages von jemandem halten, der sich von Scheichs mit Rolex´ beschenken lässt und bei der Einreise nicht mal merkt, dass er das zu verzollen hat. Ist man es beim FC Bayern doch schon so sehr gewohnt, mit kleinen wertvollen Dingen beschenkt zu werden, die man nirgendwo anzumelden pflegt?

PRIVAT? Will noch irgendwer privat sagen, wenn er über Uli Hoeness redet? In einem Verein, in dem die Führungsriege ein gewaltiges Problem mit Steuerehrlichkeit hat? Wo die Lichtgestalt ihr Vermögen lieber in Österreich versteuert?

Da ist dasselbe Verhalten bei allen zu bemerken. Nämlich, dass den Herren da im ersten Stock der Abstand zum Erdgeschoss gar nicht gut tut.

PRIVAT? Ist das, was Hoeness gemacht hat, schizophren? Dr. Jekyll und Mr. Hyde? Ist es der dummdreiste Versuch, uns weiszumachen, man habe sich über Jahre einer kognitiven Dissonanz bedient? Man stellt sich hin und rülpst aus der moralingefüllten Mundhöhle dann und wann mal in die Öffentlichkeit? Und die Leute jubeln dem Mann zu? Wer leidet hier eigentlich nicht unter kognitiver Dissonanz? Oder lassen sich die Leute um drei schöner Stunden in der Woche Willen an der Nase durch die Arena ziehen, während der achso spendenwütige Uli alias Mutter Teresa ihnen erzählt, dass er ja unter Spielsucht gelitten habe? Während er aus einem Schuldenklub den gesündesten und reichsten Verein der Welt machte, ohne sich von Scheichs, anderen hyperreichen Unternehmern mit Spieltrieb oder Stadtverwaltungen pimpen zu lassen? Der soll also Dr. Jekyll und Mr. Hyde gewesen sein? Tagsüber alles unter Kontrolle: Finanzen, Medien, Spieler, ein bisschen gezielt in der Öffentlichkeit rumpoltern und zu guter Letzt mal die Champions-League gewinnen.  Dann, wenn alle Lichtlein aus sind und die Kinderchen alle schön unter ihren Bayernbettdecken liegen, dann macht es plopp! Aus dem Organisationstalent wird der spielsüchtige Herr Zocker, der genau so durch die Gegend zockt, wie die Banker, denen er gerade noch im Fernsehen sein Moralin ins Gesicht pfeffergesprayt hat? Also der Mann, der neben seiner Spielsucht auch noch eine Wurstfabrik in die Höhe zieht wo er mit kräftigen Gewinnen arbeitet und gängige Lebensmittelketten beliefert? Und dann sitzt zum Höhepunkt Vorstellung der Herr Sohn neben dem Mann, der mit Geldern nicht umgehen kann, und sagt: Nein, Papa, das mit deiner Spielsucht hast du nicht unter Kontrolle. Ich war ja nicht dabei! Aber der Hundeblick muss ja die Alpen zum Erweichen gebracht haben.

Ich habe die Schnauze voll von diesen blöden Stories! Ende dieser erbarmungswürdigen Vorstellung! Ende mit diesem Samstagabend Schnulzen TV! Ich habe die Schnauze voll von glänzenden Fassaden, Hymnen, Sternen und Sternchenkränzen, die mir das Fernsehen in die Gehirnwindungen presst. Ich habe auch keine Lust mehr auf eine Bundesliga, in der eigentlich alle anderen Vereine aufschreien müssten. Aber warum schweigen sie? Von Dortmund über Kaiserslautern, Köln bis in die Grünwalder Straße in München vernehmen wir keinen Ton. Warum eigentlich?

Weil sie die Macht eines Mannes fürchten, von dem manche Zeitungen menetekeln, dass sein Einfluss auch aus dem Gefängnis heraus auf die Geschäfte des FC Bayern wirken würde? So einen Mann sollen wir verehren? Wir sollen einen Padrino verehren? Ist es das, was die Medien hier andeuten?

An diesem Donnerstag wird das Gericht entscheiden, ob Herr Hoeness so gehandelt hat, dass er ins Gefängnis muss. Oder auch nicht. Muss er nicht gehen, dann werde ich nur den Kopfs schütteln. Aber das ist gar nicht mehr wichtig. Wirklich. Denn erstens kann sich dieser reiche Mann eben gute Anwälte leisten. Vor allem aber, zweitens, ist die zerstörerische Arbeit bereits vollendet.

Gestern Abend, als der FC Bayern gegen den FC Arsenal spielte, da wollte ich plötzlich, dass der FC Arsenal noch zwei Tore schießt. Ich wollte, dass der FC Bayern ausscheidet. Weil dieser Verein mit seinem Führungspersonal und seinen Verquickungen in die Wirtschaft hinein, die mit der Moral auch nur anstandshalber Gassi geht, inzwischen mir so sehr die Lust am Fussball vermaledeit hat, dass ich bei einer der Robbenschwalben nur noch dachte: Gelbe Karte! Rote Karte! Raus die Sau! Raus Robben! Raus Hoeness! Raus der FC Bayern!

Dies war das, was ich dachte, als ich an der Ampel fast vom Fahrrad geflogen wäre. Ich weiß nicht, wie lange so eine Gedankenkette braucht, um sich zu entfalten. Zur Arbeit bin ich jedenfalls nicht zu spät gekommen.

Mich hat man dann nach Fussball gefragt auf der Arbeit. Ich habe einfach nur geantwortet, dass ich Barça nicht toll finde. Ich hatte für mich heute schon lang genug mit deutschen Fussball auseinandergesetzt.

Standard