Montags in Dresden

Wir lesen soviel darüber, dass da Menschen montags in Dresden auf der Straße rumlaufen, um ihren Ängsten Ausdruck zu verschaffen.

Die einen haben Angst vor X, und die anderen haben Angst vor denen, die da Angst haben. Ich sehe mir das an und frage mich: Warum?

Und dann denke ich. Eigentlich klar, denn die ersten denken an den 11.9.2001 und die anderen denken an den 9.11.1938. Deswegen gehen beide auf die Straße.

Aber woher kommt das? Warum macht sich ein Mensch Gedanken darüber, was in New York vor 13 Jahren passierte? Nun, ich glaube, dass sich die Menschen gar nicht so viel Gedanken drüber machen würden, wenn nicht dauernd drüber geredet würde.
Ich kann im Fernsehen und in der Zeitung ständig davon lesen, dass es in der Welt viele Gefahren gibt. Manche sind spannend und unterhaltsam, wie z.B. giftige Spinnen in Australien. Andere Dinge sind weniger spannend. So was wie Bombenanschläge im Irak. Warum ist das eine ein schauerlicher Spass und das andere nicht? Beides ist tödlich.

Aber in der Zeitung steht: Es kommt zu uns. Wer? Was?
Die Spinnen bleiben in Australien.
Aber die Islamisten kommen nach Europa.
Das steht in allen Zeitungen.
Sieht man sich die Liste auf Wikipedia an, dann sieht man: Es passiert in Deutschland nichts. Was auch immer ensteht, kann alles durch die deutschen Polizeibehörden abgewehrt werden. Und wenn was passiert, und ein Deutscher ist beteiligt, dann geschieht das im Ausland.

Es ist ja auch die Rede von deutschen Islamisten, die sich selbst als Bomben benutzen. Aber, zum Glück, tun sie das alle im Irak oder in Syrien. Hier in Deutschland passiert nichts. Denn die Überwachung funktioniert ja. Hier besteht keine reelle Gefahr, die nicht abgewehrt werden könnte.

Und trotzdem schreiben und sprechen alle Medien von der Gefahr der Islamisten. Dauernd.
Und irgendwann musste es auch beim Letzten angekommen sein. Das ist es jetzt auch. Und jetzt laufen die, die glauben, dass eine wirklich Gefahr für die Bevölkerung bestünde, da in Dresden herum. Und die anderen glauben, dass die anderen eine Gefahr sind, weil sie Angst haben.

Man greift das Gedankengut der Ängstlichen an. Damit überzeugt man sie noch mehr. Gruppendynamik. Aber niemand verbindet das anhaltende Sprechen von islamistischer Gefahr und diese Demonstrationen. Warum eigentlich nicht?

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2 Gedanken zu “Montags in Dresden

  1. Zustimmend nickend lese ich ihren Kommentar.
    Und dann lese ich noch viele, viele andere Kommentare in den Grossen deutschen online Medien. Und ich wundere mich, ueber die Ueberheblichkeit, die von West nach Ost ausgeschuettet wird. Man weiss es besser, dort im Westen. Man kanzelt sie ab, die ewig DDR Verzagten. Weltmaennisch steht man ueber den Dingen. Fast bekomme ich den Eindruck, diese Westler fuehlen sich mir „ihren“ (westlichen?) MiHiGrundlern einer Einheit zugehoerend, von denen sie die Hinterwaelderischen aus dem Osten auf Grund der von ihnen verorteten Rueckstaendigkeit ausgeschlossen haben.

    • Dieses Thema spielt leider auch eine Rolle, als ob es diese Bewegungen im Süden, Westen und Norden der Republik nicht gäbe.
      Sie können diesen Beitrag auch gerne an Freunde weiterleiten und andernortens posten.

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