und dann fragte man mich nach Fussball

Heute morgen ging ich mit einigermaßen schlechter Laune zur Arbeit. Es gab überhaupt keinen Grund, schlechte Laune zu haben. Zuerst dachte ich, es sei wegen Schlafmangels, den ich in der Nacht gehabt hatte. Aber das war überhaupt nicht wahr. Ich musste mindestens sieben Stunden geschlafen haben. Es musste an etwas anderem liegen. An der Sonne vielleicht, die mir das Gesicht wärmte, während ich meinen Kaffee auf der Terrasse mit Blick auf den Stadtberg trank? Das kann nicht sein, da ich genau das an dieser Stadt so schätze. Auf dem Weg zur Arbeit kam ich dann am Bahnhof vorbei. Mit viel Zeit war ich losgefahren, so dass ich an heute ganz bequem an den Ampeln stehen bleiben konnte und nicht vor dem über die Ampel Hetzen, noch im steten festen Tritt in die Pedale, weder nach einem grellgelben Polizistenoverall noch einem dunkelblau leuchtenden Fahrzeug Ausschau halten musste.

Gemütlich, aber rasch zog ich an den Taxis vorbei, als plötzlich ein Berg von einem Mann neben einem Taxi anfing zu gröhlen: Manchester, Manchester, Manchesteeeeeeeer…!

Ich dachte nur: Halt die Klappe, du Idiot und schau, dass du ganz schnell wieder in deine ehemalige englische Industriestadt zurückkommst! Euch will hier niemand sehen. Und von Barca kriegt ihr eh auf die Gosch! Aber die Katalanen mit ihrem Präsidenten Sandro Rosell und seinen Neymargeschichten, die will ich gar nicht auf internationaler Ebene spielen sehen. Sowas widert mich einfach an. Da muss endlich mal die FIFA oder die UEFA was machen!

Kaum hatte ich so gedacht, da hätte ich mich fast selbst vom Fahrrad geworfen. An der Ampel bremste ich scharf. Aber nicht, weil es rot geleuchtet hätte, sondern, weil mir klar geworden war, was mich so auf die Palme brachte.

Dieses dumme Geschwätz! Dieses dumme Geschwätz von den Leuten. Ich bin ja grundsätzlich froh, dass ich momentan nicht in Schland bin. Wäre ich da, müsste ich mir all das, was die Leute so erzählen, tagtäglich in voller Kanne geben. Manchmal kann es ja von Vorteil sein, wenn man nicht im Heimatland ist. Durchaus verständlich ist es da, warum auch Erwachsene ständig mit Kopfhörern durch die Stadt laufen.

In diesen Tagen nämlich hätte ich bestimmt eine Depression bekommen. Ohne Zweifel. Allein das, was ich in den Fussballforen lesen durfte. Ein Genuss der besonderen Art. Ich schämte mich für meinen Gedanken über den bereits zurückgetretenen Ex-Präsidenten des FC Barcelona.

Im Gegensatz zu unserem derzeitig vor Gericht stehenden Bayernpräsidenten, der jedwede Unschuldsvermutung allein durch seine Selbstanzeige vollkommen null und nichtig gemacht hat, hat dieser Mann aus dem ach so korrupten Südeuropa nämlich seine Konsequenzen gezogen.

An dieser Stelle werden einige ein lautes HALT! anbringen wollen. Die Geschäfte des Ulrich Hoeness sind doch privat gewesen. Sandro Russell hat mit Neymar und Barcelona direkt… PRIVAT? Über dieses „privat“ werde ich mich gleich noch ausführlich aufregen. Zuerst muss ich erstmal klarstellen, dass hier von vielen Bayernfans eine Person verteidigt wird, die einfach mal ihre Schuld schon eingestanden hat.

Von wie vielen Menschen und Bayernfans habe ich in den letzten Jahren ein Lästern über Berlusconi gehört? Wie stolz schwang da die Annahme mit, dass wir nicht in einem Bananenstaat leben, wie es uns da südlich der Alpen osramhell präsentiert wird. Andererseits schwang wohl in dem Lästern über Berlusconi auch noch die heimliche Bewunderung mit: A Hund isser scho, der Silvio…

Genau das, was wohl in den Köpfen vieler Bayernfans vor sich geht, die den amtierenden Bayernpräsidenten verteidigen. Natürlich. Die Medien haben ein gefundenes Fressen. Geschenkt! Die Meute folgt dem Alphatier. Denn: WIR gegen den Rest der Welt. Dass sie da jemand haben, der da chronisch auf die Regeln pfeift, die unsere Gesellschaft zusammenhalten? Der ein WIR einfach mal nur an der Säbenerstraße kennt?  Egal! Gib mir die Championsleague! Bei so viel vor Blindheit strotzender Egozentrik wird mir einfach nur noch speiübel.

Mir, als Bayernfan (bin ich es noch?), ist schon bewusst, dass der Fussball nun mal so ist. Die edlen Gedanken und Haltungen werden so lange gefeiert, solange die eigene Mannschaft den Sieg davon trägt. Da darf auch Robben gerne mal wieder gegen den FC Arsenal solange rumschwalben, bis er einen Elfmeter bekommt, den Müller dankenswerter Weise zu der Ehrenrettung der Mannschaft verschießt. Trotzdem ist Robben unser Bester!

Und trotzdem finde ich es erbärmlich und beschämend, was gerade passiert.

Denn hier endlich komme ich zu dem, was mich an dem „PRIVAT“ so aufregt. Hat denn mal jemand nachgedacht, was die veröffentlichten Zahlen bedeuten? Für eine Sekunde? Uli Hoeness hat in den Jahren seiner Zockerei 130 Millionen Euro Gewinn gemacht. Das rechnet uns die Staatsanwaltschaft vor. Und diese Gewinne sollen aus einem mickrigen Darlehen von einem seiner Geschäftspartner von 10 Millionen Euro entstanden sein? Gleichzeitig sollen auf dem Konto maximal 600 Mio Euro gewesen sein. Sagte Spiegel Online.  Also, wenn man die massiven Verluste, die Hoeness auch gemacht haben soll, einfach mal weglässt, dann komme ich nicht bei 600 Mio raus, sondern bei 140 Mio. Könnte mal bitte jemand sein Hirn einschalten? Woher kamen die restlichen 460 Mio?

Die kamen vom Himmel geflogen, oder was? Hat sie jemand versehentlich eingezahlt? Und wenn ja, wer? Auch Dreyfus? Oder sind sie aus der Stadionkasse… Ich will nicht weiterdenken.

Soll ich vielleicht doch mal kurz überlegen, wer hier zu Beginn des letzten Jahrzehnts mit heimlichen Zahlungen in der Zentralvermarktung der Bundesliga gehalten worden ist? Soll ich nachdenken, wer einen gewissen Herrn Deisler mit einem heimlichen Scheck über 20 Mio HANDGELD zum FC Bayern geholt hat?

Soll ich darüber nachdenken, dass in der Geschichte der Bundesliga, und des Fussballs überhaupt, Gelder flossen und fließen, die niemals an die Öffentlichkeit, geschweige denn an Finanzämter gingen? Soll ich darüber nachdenken, dass das, was sich Fussballkultur nennt, nichts anderes als ein Dunggrube ist, in der Hemmungslose nach Gold fischen und sich andere daran erregen, dass die Hemmungslosen sich in dem stinkenden Matsch um die zahlreich vorhanden Krumen balgen? Und sich wünschen, dass sie selber da mitgrunzen dürfen?

Soll ich mir darüber Gedanken machen, dass ein russischer Mafiosi behauptet hat, der FC Bayern hätte 50 Millionen US-Dollar bekommen, damit sie das Halbfinale des Schülerpokals gegen Zenit St. Petersburg verlieren? Ich erinnere mich daran, dass ich die Leistung des FC Bayerns damals einfach nur erschreckend fand. Dass die Entstehung der Tore so unglaublich dämlich aussah. Aber der Kalle Rummenigge gesagt, hat, dass das nicht stimmt… Tja… Was soll ich am Ende des Tages von jemandem halten, der sich von Scheichs mit Rolex´ beschenken lässt und bei der Einreise nicht mal merkt, dass er das zu verzollen hat. Ist man es beim FC Bayern doch schon so sehr gewohnt, mit kleinen wertvollen Dingen beschenkt zu werden, die man nirgendwo anzumelden pflegt?

PRIVAT? Will noch irgendwer privat sagen, wenn er über Uli Hoeness redet? In einem Verein, in dem die Führungsriege ein gewaltiges Problem mit Steuerehrlichkeit hat? Wo die Lichtgestalt ihr Vermögen lieber in Österreich versteuert?

Da ist dasselbe Verhalten bei allen zu bemerken. Nämlich, dass den Herren da im ersten Stock der Abstand zum Erdgeschoss gar nicht gut tut.

PRIVAT? Ist das, was Hoeness gemacht hat, schizophren? Dr. Jekyll und Mr. Hyde? Ist es der dummdreiste Versuch, uns weiszumachen, man habe sich über Jahre einer kognitiven Dissonanz bedient? Man stellt sich hin und rülpst aus der moralingefüllten Mundhöhle dann und wann mal in die Öffentlichkeit? Und die Leute jubeln dem Mann zu? Wer leidet hier eigentlich nicht unter kognitiver Dissonanz? Oder lassen sich die Leute um drei schöner Stunden in der Woche Willen an der Nase durch die Arena ziehen, während der achso spendenwütige Uli alias Mutter Teresa ihnen erzählt, dass er ja unter Spielsucht gelitten habe? Während er aus einem Schuldenklub den gesündesten und reichsten Verein der Welt machte, ohne sich von Scheichs, anderen hyperreichen Unternehmern mit Spieltrieb oder Stadtverwaltungen pimpen zu lassen? Der soll also Dr. Jekyll und Mr. Hyde gewesen sein? Tagsüber alles unter Kontrolle: Finanzen, Medien, Spieler, ein bisschen gezielt in der Öffentlichkeit rumpoltern und zu guter Letzt mal die Champions-League gewinnen.  Dann, wenn alle Lichtlein aus sind und die Kinderchen alle schön unter ihren Bayernbettdecken liegen, dann macht es plopp! Aus dem Organisationstalent wird der spielsüchtige Herr Zocker, der genau so durch die Gegend zockt, wie die Banker, denen er gerade noch im Fernsehen sein Moralin ins Gesicht pfeffergesprayt hat? Also der Mann, der neben seiner Spielsucht auch noch eine Wurstfabrik in die Höhe zieht wo er mit kräftigen Gewinnen arbeitet und gängige Lebensmittelketten beliefert? Und dann sitzt zum Höhepunkt Vorstellung der Herr Sohn neben dem Mann, der mit Geldern nicht umgehen kann, und sagt: Nein, Papa, das mit deiner Spielsucht hast du nicht unter Kontrolle. Ich war ja nicht dabei! Aber der Hundeblick muss ja die Alpen zum Erweichen gebracht haben.

Ich habe die Schnauze voll von diesen blöden Stories! Ende dieser erbarmungswürdigen Vorstellung! Ende mit diesem Samstagabend Schnulzen TV! Ich habe die Schnauze voll von glänzenden Fassaden, Hymnen, Sternen und Sternchenkränzen, die mir das Fernsehen in die Gehirnwindungen presst. Ich habe auch keine Lust mehr auf eine Bundesliga, in der eigentlich alle anderen Vereine aufschreien müssten. Aber warum schweigen sie? Von Dortmund über Kaiserslautern, Köln bis in die Grünwalder Straße in München vernehmen wir keinen Ton. Warum eigentlich?

Weil sie die Macht eines Mannes fürchten, von dem manche Zeitungen menetekeln, dass sein Einfluss auch aus dem Gefängnis heraus auf die Geschäfte des FC Bayern wirken würde? So einen Mann sollen wir verehren? Wir sollen einen Padrino verehren? Ist es das, was die Medien hier andeuten?

An diesem Donnerstag wird das Gericht entscheiden, ob Herr Hoeness so gehandelt hat, dass er ins Gefängnis muss. Oder auch nicht. Muss er nicht gehen, dann werde ich nur den Kopfs schütteln. Aber das ist gar nicht mehr wichtig. Wirklich. Denn erstens kann sich dieser reiche Mann eben gute Anwälte leisten. Vor allem aber, zweitens, ist die zerstörerische Arbeit bereits vollendet.

Gestern Abend, als der FC Bayern gegen den FC Arsenal spielte, da wollte ich plötzlich, dass der FC Arsenal noch zwei Tore schießt. Ich wollte, dass der FC Bayern ausscheidet. Weil dieser Verein mit seinem Führungspersonal und seinen Verquickungen in die Wirtschaft hinein, die mit der Moral auch nur anstandshalber Gassi geht, inzwischen mir so sehr die Lust am Fussball vermaledeit hat, dass ich bei einer der Robbenschwalben nur noch dachte: Gelbe Karte! Rote Karte! Raus die Sau! Raus Robben! Raus Hoeness! Raus der FC Bayern!

Dies war das, was ich dachte, als ich an der Ampel fast vom Fahrrad geflogen wäre. Ich weiß nicht, wie lange so eine Gedankenkette braucht, um sich zu entfalten. Zur Arbeit bin ich jedenfalls nicht zu spät gekommen.

Mich hat man dann nach Fussball gefragt auf der Arbeit. Ich habe einfach nur geantwortet, dass ich Barça nicht toll finde. Ich hatte für mich heute schon lang genug mit deutschen Fussball auseinandergesetzt.

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Jorge und die Arbeit

Wir sitzen in einer Strandbar. Wir trinken wie immer einen Café con leche und eine Menta-Poleo. Ich weiß auch nach einem Monat nicht, was mein Bekannter Jorge da für einen Tee trinkt. Ich schaue so etwas nicht nach. Wird Minze sein. Ich habe den Plan, in Spanien nach dem Studium ein wenig als Deutschlehrer zu arbeiten.

Um uns herum sitzen nur ein paar deutsche oder französische Touristen und essen diese überteuerte Paella. Auf dem Schild vor der Plastikplane steht: Hausmacherpaella. Das Schild steht in der ganzen Stadt an den Touristensammelpunkten herum. Diese Paella findet man an anderen Stellen in der Stadt nicht. Der Tag heute ist besonders sonnig und ohne meine Mütze werde ich heute einen Sonnenbrand bekommen. Spanien hat eine Sommerkrise. Besser gesagt: Es leidet an mangelndem Sommer. Vielleicht kommen deswegen alle fünf Minuten die Afrikaner vorbei und bieten uns ihren Kram an. Es ist ja sonst niemand hier.

Ich frage Jorge: „Sag mal, eigentlich müsste doch jetzt der Strand voll sein! Immerhin hat Spanien eine Arbeitslosenquote von 27 %!“ Das heißt, dass ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung am Strand sein könnte. Aber auch die arbeitslosen 50% der jungen Spanier könnten hier am Strand sein. Sind sie aber nicht. Jorge sagt: „Ich glaube nicht, dass die alle hier sein müssen. Ich denke, die studieren zu Hause Englisch oder Deutsch oder Chinesisch.“ Warum sind sie nicht in der Uni? Haben Sie keine Lust, nur weil sie arbeitslos sind?“ Er schweigt. Dann schreibt er eine Zahl auf: 3000 € Jahresgebühr für die öffentliche Uni. Irgendwas verstehe ich scheinbar nicht. Mein Blick schweift über die Strandpromenade. Helle Haut dominiert. Die Kellner sind junge Lateinamerikaner. Laut einer Statistik ist das Durchschnittseinkommen bei den jungen unausgebildeten Lateinamerikanern 1.000 Euro. Sie putzen. Kellnern ist vielleicht eine bessere Arbeit. Aber in Spanien geben die Leute kaum Trinkgeld. Mich sieht man immer überrascht an, wenn ich die 10% aufschlage. Als Student habe ich Trinkgeldgeizkragen gehasst.

„Das Einkommen Median in Spanien ist 18.000 €“ sagt Jorge. 6000 Euro über dem Latinoeinkommen. „Unsere Arbeitsverträge sagen 8-Stunden-Tage an. Faktisch niemand arbeitet 8 Stunden, sondern 9 bis 12 Stunden. Ich arbeite nicht 8 Stunden, ich arbeite immer 9-10. Meine Cousine arbeitet in einer Bäckerei. Sie bekommt 1.000 € und arbeitet immer 12 Stunden.“ Die Frage, wie viel Jorge verdient, ist mir nicht ganz genehm, aber ich stelle sie trotzdem. „Ich fühle mich privilegiert. Ich gewinne 27.000 Euro brutto im Jahr. 2.250€ im Monat brutto.“ Jorge sagt gewinnen, weil das Spanische ein Verb für gewinnen hat, das auch verdienen bedeutet. Er hat drei Studienabschlüsse. Er spricht Spanisch, Galizisch, Deutsch und Englisch. Er hat Betriebswirtschaft studiert. Er hat zwei weitere Abschlüsse. Er hat weitere Fernstudien gemacht. Sogar in den USA hat er studiert. Er hat 20 Jahre Berufserfahrung. Er hat auch eine Frau und ein Kind.  Deswegen bleibt er bei seiner Arbeit. Er würde gerne gehen. Denn die Ethik der Chefs, wie er sagt, ist nicht gut. “ denke, dass es wie in 19.Jahrhundert ist“. Die Chefs machen offensichtlich Dinge, die sie nicht tun sollten. Die private Steuererklärung einer seiner Chefs hatte er vor kurzem auf dem Tisch. Für die USA. Jorge kann ja Englisch. Und er ist in einer amerikanischen Buchhalterassoziation. Ist ja im Prinzip das Gleiche. „So passiert das hier überall.“

Jorge sagt, er will nicht mehr: Aus seiner Abteilung sind noch er und ein anderer übrig. Vorher hatte er vier Kollegen. Aber die Chefs wollen die Jahresabschlüsse nun schon im Januar des Folgejahres. Was Jorge mit seinen vier Kollegen in Überbeschäftigung einmal für den Mai vorbereitete.

Aber Jorge ist privilegiert. Er hat Arbeit. Er gehört zu den 16 Millionen Spaniern, die 45 Millionen Gesamtbevölkerung versorgen. Ich möchte Jorge nicht fragen, ob er nach Deutschland gehen wird und seine Frau und sein Kind zurücklassen will. Immerhin ist er schon einmal ausgewandert. Von Galizien nach Katalonien. Vielleicht in fünf Jahren.

Aber vielleicht arbeitet Jorge dann gar nicht mehr. Vielleicht aber gehört Jorge dann ja auch zu den Mindestlöhnern. Die hier 645 € im Monat verdienen. Aufstocken kann man hier aber nicht. Egal ob man 8 oder 12 Stunden am Tag arbeitet.

Die Kellnerin bringt uns die Rechnung. Ich wühle in meiner Hosentasche, während ich auf der Rechnung den Mehrwertssteuerbetrag lese: 21%.

„Naja“, denke ich bei mir. „Wenigstens sind hier die Sportgeräte am Strand umsonst. Wenn ich hierbleiben würde… könnte ich ja nach der Arbeit, dem Kindererziehen und dem Nachgehen meiner Hobbies vielleicht noch an den Strand gehen? Ne, dafür hätte ich nur Zeit, wenn ich arbeitslos wäre… Also… entweder arbeitslos oder nicht an den Strand gehen… und ein Studium könnte ich meinem Kind auch nicht finanzieren. In keinem Fall.

Ob Jorge seinem Kind mal das Studium finanzieren kann, das er selbst hat? Vielleicht wird es ja mal ein Superstar. Dann braucht es kein Studium. Egal, wie es kommt, es wird auf jeden Fall einen Strand haben, der im Sommer voll wie die Fischdosen ist. Ich entscheide mich in diesem Moment dafür, kein Deutsch in Spanien zu unterrichten. Sonst glaubt meine Familie, dass ich hier nur am Strand rumhängen würde und hätte keinen Respekt vor mir. Das will ich nicht.

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